Our comments regarding the new ESC/EAS-Guidelines
Swiss Medical Forum 2020;20(0910):140-8

Prävention der Atherosklerose

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach den Krebserkrankungen in der Schweiz die zweithäufigste Todesursache1. Einer ihrer wichtigsten Risikofaktoren ist das Cholesterin, besonders das LDL-Cholesterin (LDL-C). Dazu wurde in den letzten Jahren eine umfassende Evidenz erarbeitet. Je tiefer die Konzentration von LDL-C, desto niedriger ist das Herzinfarkt-Risiko. Es gibt keine niedrigste LDL-C-Konzentrations-Grenze, unterhalb derer das kardiovaskuläre Risiko nicht weiter abnimmt. Neben der Höhe des LDL-C-Spiegels ist auch die Expositionsdauer von Bedeutung: Eine angeborene Hypercholesterinämie ist mit einem höheren Risiko assoziiert als eine im späteren Leben erworbene. Analog zu den «pack years» bei Rauchern wurde deshalb der Begriff der LDL-Cholesterinjahre eingeführt. Konsequenterweise gilt für die Cholesterinsenkung nicht nur „je tiefer desto besser“, sondern auch „je früher desto besser“. Die aktuellen Guidelines der European Society of Cardiology (ESC) messen darum der konsequenten Senkung des LDL-C eine grosse Bedeutung bei. Um konkrete Handlungsempfehlungen in Abhängigkeit vom Risiko einer Person zu geben zu können, wurden vier Risikokategorien gebildet. Die Einteilung erfolgt dabei anhand einer Schätzung des kardiovaskulären Gesamtrisikos sowie der Anzahl und dem Schweregrad von Risikofaktoren.

Die AGLA stützt sich bei ihren Empfehlungen auf internationale Guidelines und Daten aus randomisierten Studien. Dabei werden vor allem die Empfehlungen der ESC beachtet. Diese werden, wo notwendig, an die Schweizer Gegebenheiten angepasst. Auch die neusten Entwicklungen und Erkenntnisse aus Klinik und Forschung werden jeweils für die Anwendung in der Praxis durch ein Expertenteam reflektiert und integriert.

Zur Schätzung des einleitend angesprochenen kardiovaskulären Gesamtrisikos stellt die AGLA einen speziell an die Schweiz angepassten Algorithmus auf dieser Website zur Verfügung, den AGLA-Risikorechner. Er ist für Personen bis 75 Jahre anwendbar und erlaubt die Berechnung des konkreten Risikos, innerhalb der nächsten 10 Jahre ein tödliches oder nicht-tödliches kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden. Die zugrundeliegenden Daten stammen aus der PROCAM-Studie. Die AGLA empfiehlt die Risikoschätzung wenn immer möglich mit diesem Algorithmus vorzunehmen. Im Pocketguide ist für die Anwendung ohne Internet-Zugang zudem der AGLA Risiko-Score wiedergegeben, der auf den gleichen Daten beruht.

Der neue Pocketguide enthält neben Hinweisen zur Risikoeinschätzung natürlich Behandlungsempfehlungen zur Risikosenkung in verschiedenen klinischen Settings und befasst sich mit dem Management der Dyslipidämien. Ferner widmen sich spezielle Kapitel der Familiären Hyperlipidämien (die klinische Verdachtsdiagnose kann bei Erwachsenen anhand der Dutch Lipid Network Kriterien gestellt werden) sowie der Statin-Intoleranz. Diese Empfehlungen richten sich an alle medizinischen Fachpersonen, die sich um das Wohlergehen von Patienten mit atherosklerotischen Erkrankungen bemühen. Die Empfehlungen sollen helfen, die kardiovaskuläre Risikosituation der Patienten rechtzeitig zu erfassen, adäquate Therapieoptionen auszuwählen und damit eine Über- oder Unterbehandlung zu vermeiden.

[1] https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/sterblichkeit-todesursachen/spezifische.html.


Prävention


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