Kardiovaskuläre Risikobeurteilung

Erfassung besonderer Risikosituationen

  • Bekannte/manifeste KHK/Atherosklerose1
  • Diabetes mellitus Typ 2, Typ 1 mit Endorganschäden (Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie)
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Stark erhöhte einzelne Risikofaktoren (ausgeprägte primäre Hypercholesterinämie mit LDL-Cholesterin > 4.9 mmol/l oder Gesamtcholesterin > 8.0 mmol/l, schwere Hypertonie, starkes Zigarettenrauchen)
  • Positive Familienanamnese (Eltern, Grosseltern, Geschwister) für frühzeitige Manifestation atherosklerotischer Gefässerkrankungen vor dem 60. Lebensjahr

Risikofaktoren zur Schätzung des kardiovaskulären Gesamtrisikos

  • Alter
  • Familienanamnese: MI bei Eltern, Grosseltern, Geschwistern vor dem 60. Lebensjahr
  • Rauchen
  • Blutdruck
  • LDL-Cholesterin
  • HDL-Cholesterin
  • Triglyzeride (nüchtern)

Bestimmung der kardiovaskulären Risikokategorie

Aufgrund der besonderen Risikosituation bzw. des mit dem AGLA Risikorechner geschätzten kardiovaskulären Gesamtrisikos wird eine Person einer kardiovaskulären Risikokategorie zugeordnet. Diese bildet die Basis für die Behandlungsstrategie der kardiovaskulären Risikofaktoren.

Kardiovaskuläre Risikokategorie Besondere Risikosituationen/kardiovaskuläres Gesamtrisiko
Sehr hohes Risiko
  • Bekannte KHK/Atherosklerose1
  • Diabetes mellitus Typ 2 oder Typ 1 mit Endorganschäden
    wie Mikroalbuminurie
  • GFR < 30 ml/min/1.73 m2
Hohes Risiko
  • 10-Jahres-Risiko2 > 20%
  • Stark erhöhte einzelne Risikofaktoren:
    LDL-C > 4.9 mmol/l
    BD > 160/100 mmHg
  • GFR 30-59 ml/min/1.73 m2
Intermediäres Risiko
  • 10-Jahres-Risiko2 10-20%
Niedriges Risiko
  • 10-Jahres-Risiko2 < 10%

Schätzung des kardiovaskulären Gesamtrisikos

Kalkulieren Sie das 10-Jahres-Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis2 mit dem AGLA Risikorechner.

Wenn eine Person nicht aufgrund einer „besonderen Risikosituation“ direkt der Risikostrategie „Sehr hohes Risiko“ (z.B. bei bekannter KHK/Atherosklerose) oder „Hohes Risiko“ (z.B. stark erhöhte, einzelne Risikofaktoren) zugeordnet werden kann, lässt sich mit dem AGLA-Risikorechner das 10-Jahres-Risiko für ein tödliches Koronarereignis oder einen nicht-tödlichen Myokardinfarkt2 schätzen. Dies erlaubt ebenfalls eine Zuordnung zu einer Risikokategorie. Wenn aber eine „besondere Risikosituation“ vorliegt, ist diese für die Zuordnung massgebend und nicht das Ergebnis der Schätzung mit dem Risikorechner.​

1Symptomatische atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung (z.B. Myokardinfarkt oder akute Koronarsyndrome, ischämischer Schlaganfall, PAVK oder koronare/arterielle Revaskularisation in der Anamnese) oder Nachweis einer Atherosklerose durch invasive oder nicht-invasive Tests. 2Absolutes Risiko in %, innerhalb von 10 Jahren ein tödliches Koronarereignis oder einen nicht-tödlichen Myokardinfarkt zu erleiden.