Allgemeine Behandlungsstrategien bei kardiovaskulären Risikofaktoren und deren Zielwerte

Hinweis: die Behandlungsstrategien bei Dyslipiämien finden Sie hier.

Risikofaktor Behandlungsstrategie und Zielwerte
Lebensstil allgemein Mittels kognitiven Verhaltenstherapien und kurzen Beratungsgesprächen (z.B. motivational Interviewing, Empowerment-Gespräche) können Patienten bereits in jungen Jahren unterstützt werden, einen gesunden Lebensstil zu erlernen.
Psychosoziale Faktoren Multimodale Interventionen auf die individuelle Situation des Patienten zugeschnitten und in interprofessioneller Zusammenarbeit; v.a. bei Patienten mit sehr hohem Risiko oder manifester kardiovaskulärer Erkrankung.
Inaktivität Mindestens 30 Min. moderate bis intensive aerobe (Ausdauer-) Aktivität an mindestens 5 Tagen pro Woche → total 150 Min.
ODER Mindestens 25 Min. starke aerobe Aktivität an mindestens 3 Tagen pro Woche → total 75 Min.
ODER Eine Kombination von den beiden oben genannten
UND Krafttraining mit moderater bis hoher Intensität an mind. 2 Tagen pro Woche

Zur Senkung von Cholesterin und Blutdruck:
Durchschnittlich 40 Minuten moderate bis intensive aerobe Aktivität während 3 oder 4 Tagen pro Woche

Regelmässiges Nachfragen und die Motivation zu körperlicher Aktivität wird empfohlen. Allenfalls digitale Hilfsmittel für Motivation und Monitoring.
Rauchen Rauchstopp ist die kosteneffektivste Präventionsstrategie und sollte bereits im Teenageralter intensiv propagiert werden. Zur Raucherentwöhnung können folgende Substanzen unterstützend eingesetzt werden: Nikotinersatz-Therapien, Varenicline, Bupropion; Vermeiden von Passivrauchen.

Zu beachten: E-Zigaretten dürften eine ähnliche Problematik darstellen, wenn auch die Evidenz dazu z. T. noch fehlt.
Ernährung Gesunde Ernährung gehört bei allen Risikogruppen zu den wichtigsten Massnahmen:
  • gesättigte Fettsäuren <10% der totalen Energiezufuhr; bei Reduktion von gesättigten Fettsäuren diese v. a. durch mehrfach ungesättigte ersetzen; Trans-Fettsäuren meiden.
  • <5 g Salz pro Tag (v.a. bei Patienten mit Hypertonie)
  • 30–45 g Fasern pro Tag, bevorzugt aus Vollkornprodukten
  • ≥200 g Früchte pro Tag (2–3 Portionen)
  • ≥200 g Gemüse pro Tag (2–3 Portionen)
  • 1–2 mal Fisch pro Woche, davon einmal fetthaltiger Fisch
  • 30 g ungesalzene Nüsse pro Tag
  • alkoholische Getränke: max. 2 Glas pro Tag (20 g Alkohol) für Männer und 1 Glas pro Tag für Frauen (10 g Alkohol); Pat. mit Hypertriglyzeridämie sollten auf Alkohol verzichten
  • zucker- und alkoholhaltige Softdrinks meiden​

In besonders schwierigen Situationen – z.B. ausgeprägte Hypertriglyzeridämie – professionelle Ernährungsberatung

Körpergewicht
  • Anzustreben ist ein normales Körpergewicht (Ziel-BMI 18.5 bis 24.9 kg/m2)
  • Das Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen ist erhöht ab einem Taillenumfang von ≥94 cm bei Männern resp. ≥80 cm bei Frauen und deutlich erhöht bei einem Taillenumfang von ≥102 cm bei Männern resp. ≥88 cm bei Frauen.
  • Durch die Normalisierung des Körpergewichts verbessern sich Blutdruck, Dyslipidämie und Diabetes mellitus, wodurch auch das kardiovaskuläre Risiko verbessert wird.
Diabetes mellitus
  • Lebensstil-Anpassungen (Ernährung, Gewicht, Aktivität)
  • HbA1c <7% empfohlen für die Mehrheit der nicht schwangeren Erwachsenen mit Typ 1 oder Typ 2 Diabetes; für Patienten mit bereits lange andauerndem Diabetes, bei älteren oder gebrechlichen Pat. und Pat. mit bestehender kardiovaskulärer Erkrankung (Sekundärprävention), kann ein weniger stringenter Zielwert erwogen werden.
  • HbA1c ≤6.5% sollte erwogen werden bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die neu diagnostiziert wurden und im Frühstadium und guten Allgemeinzustand sind und keine kardiovaskuläre Erkrankung manifestiert haben (Primärprävention)
  • Details siehe Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie (SGED): www.sgedssed.ch
  • Lipidsenkung gemäss Risikokategorie
  • Blutdruck <140/85 mmHg empfohlen bei Diabetes mellitus Typ 2; jedoch BD <130/80 mmHg anstreben bei gewissen Pat. z.B. junge Pat. mit Komplikationsrisiko
Hypertonie

Grad 1:

140–159/90–99 mmHg

Grad 2:
160–179/100–109 mmHg

Grad 3:
≥180/≥110 mmHg
 
  • Lebensstil-Anpassungen (Ernährung, Gewicht, Aktivität)
  • Kardiovaskuläre Risiko-Berechnung empfohlen auch bei asymptomatischen Hypertonikern
  • Medikamentöse Therapie bei Hypertonie Grad 3 sowie Hypertonie Grad 1 und 2 bei sehr hohem oder hohem Risiko-Score.
  • Pat. mit niedrigem und moderatem Risiko sowie Grad 1 und 2 Hypertonie medikamentöse Therapie bei Versagen der Zielwerterreichung durch Anpassung des Lebensstils.
  • Zielwerte: <140/90 mmHg bei allen Pat. unter 60 Jahren; Pat. über 60 Jahre mit systol. BD ≥160 mmHg Reduktion auf 140–150 mmHg
  • Pat. >80 Jahre und BD ≥160 mmHg Zielwert von 140–150 mmHg empfohlen. Bei aktiven Pat. <80 Jahren mit BD ≥140 mmHg Zielwert <140 mmHg anstreben, sofern die Therapie gut vertragen wird.
  • V.a. bei älteren Pat. sorgfältige medikamentöse Einstellung
  • Zur medikamentösen Therapie sind RAAS-Blocker, Ca-Antagonisten und Diuretika empfohlen; bei KHK Betablocker, RAAS-Blocker und Ca-Antagonisten. Details siehe Empfehlungen der Schweizerischen Hypertonie-Gesellschaft: www.swisshypertension.ch

​Neben den Behandlungsstrategien der einzelnen Risikofaktoren sind zur weiteren Risikoreduktion bei manifester KHK/Atherosklerose Thrombozyten-aggregationshemmende Therapien zu erwägen. Details siehe AGLA-Pocketguide «Antithrombotika».