Weitere Massnahmen zur Sekundärprävention

Neben der Behandlung der unter «Behandlungsstrategie» erwähnten Risikofaktoren werden folgende Massnahmen zur weiteren Risikoreduktion (Sekundärprävention) bei etablierter KHK/Atherosklerose empfohlen*:

Thrombozyten-Aggregationshemmer/Antikoagulantien#
Alle Patienten
mit KHK
– ASS 100 mg/d Dauertherapie, sofern keine Kontraindikation
– Bei ASS-Unverträglichkeit: Clopidogrel 75 mg/d
Stabile KHK ohne
Koronarintervention
– Alle Patienten ASS 100 mg/d Dauertherapie
– Bei Hochrisikopatienten: Eventuell ASS 100 mg/d und Clopidogrel 75 mg/d
ACS ohne ST-Hebung (Instabile Angina pectoris oder MI ohne ST-Hebung)
– Duale Anti-Plättchen-Therapie (DAPT): ASS 100 mg/d und ADP-Rezeptor-Antagonist für 12 Monate
Myokardinfarkt mit ST-Hebung (STEMI)
– Für alle ASS 100 mg/d Dauertherapie, bei ASS-Unverträglichkeit Clopidogrel 75 mg/d Dauertherapie
– Nach PCI: DAPT (siehe oben) für 12 Monate
Nach Stent:
Bei BMS (bare metal stent) DAPT für mindestens 1 Monat
Bei DES (drug elutin stent) DAPT für mindestens 6 Monate
Aorto-koronarer Bypass (CABG)
– ASS 100 mg/d Dauertherapie
– Bei ASS-Unverträglichkeit: Clopidogrel 75 mg/d
Nach TIA/Hirnschlag
– Bei nicht kardioembolischer Ursache:
TIA: ASS 100 mg/d Dauertherapie, bei ASS-Unverträglichkeit Clopidogrel 75 mg/d Dauertherapie.
Hirnschlag: ASS 100 mg/d oder Kombination von ASS 25 mg/d und retardiertem Dipyridamol 200 mg/d oder Clopidogrel 75 mg/d, jeweils als Dauertherapie
PAVK
– Bei symptomatischer und asymptomatischer PAVK: ASS 100 mg/d oder Clopidogrel 75 mg/d als Dauertherapie
Antikoagulantien
– Thrombozyten-Aggregationshemmer werden den Vitamin-K-Antagonisten bei der Behandlung von Patienten mit Atherosklerose vorgezogen
– Im Fall zwingender Indikationen für Antikoagulantien (wie Vorhofflimmern, künstliche Herzklappen, linksventrikulärer Thrombus, venöse Thromboembolien) sollten Vitamin-K-Antagonisten zusätzlich zu tief dosierter ASS verabreicht werden
– Vitamin-K-Antagonisten sollten so dosiert werden, dass der für die spezifische Indikation angestrebte INR-Wert erreicht wird
– Die Kombination von Antikoagulantien mit ASS und/oder Clopidogrel ist mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden
Hemmung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS)
ACE-Hemmer
– Alle Patienten, vor allem bei ventrikulärer Auswurffraktion < 40%, Hypertonie, Diabetes mellitus oder chronischer Niereninsuffizienz, sofern keine Kontraindikation
AT1-Rezeptor-Antagonisten (Sartane)
– Alle Patienten mit ACE-Hemmer-Unverträglichkeit, vor allem bei Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus oder
St. n. MI mit ventrikulärer Auswurffraktion < 40%
Aldosteron-
Antagonisten
– Nach MI ohne wesentliche Nierenfunktionseinschränkung (GFR > 30 ml/min) und ohne Hyperkaliämie (K < 5 mmol/l) bei Patienten, die schon therapeutische Dosen eines ACE-Hemmers und eines Betablockers erhalten und deren Auswurffraktion < 40% beträgt sowie entweder Diabetes oder Herzinsuffizienz haben
Betablocker
 
– Starke Empfehlung für Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion (Auswurffraktion
< 40%) bei Herzinsuffizienz oder nach MI, sofern keine Kontraindikation (belegte Mortalitätsreduktion für Carvedilol, Metoprolol, Bisoprolol), mindestens für 3 Jahre nach MI oder ACS
– Bei allen Patienten mit KHK oder anderer atherosklerotischer Krankheit als Dauertherapie erwägen
Influenzaimpfung
 
– Alle Patienten mit kardiovaskulären Krankheiten jährlich

 

*Modifiziert nach AHA/ACCF Secondary Prevention and Risk Reduction Therapy for Patients With Coronary and other Atherosclerotic Vascular Disease, Update 2011, Guideline from the American Heart Association and American College of Cardiology Foundation.
#Für umfassende Empfehlungen zu Thrombozyten-Aggregationshemmern und Antikoagulantien wird auf den AGLA Pocketguide «Antithrombotika 2014» verwiesen.